Wessobrunner Predigt
Daz euangelium zelit uns, daz daz himilrih kelih si demo hûsherro,
der des morgenis fruo in sinan uuinkarten samenoti dei uuerhliuti.
Vuer uuirdit rehtere kikagenmazzit demo husherren, denne unser herro
der heilige Christ? der dir rihtet alla die er kiscuof, also der
hushérro rihtet di imo untertanen. Der huosherro ladote allen den tac
die uuerhliûte in sinan uuinkarten, sumeliche fruo, sumeliche ze
mittemo morgene, sumeliche zi mittemo taga, sumeliche ze nona,
sumeliche ana demo abanda oder in suêlihemo cite si imo zuo chomen.
Also ne gistilte unser herro der almahtige got uone anakenge dere
uuerlti unzi ana den ente die predigare ci sentenna zi dera lera
sinere iruuelitono. Der uuinkarte pizeichinet die gotis e, in der
dir kisezzet unde kerihtet uuerdent elliv reht, also diu uuinréba
kerihtet vuirdit in demo scuzzelinge. Dei uuerh, dei man dar inna
uuvrchen scol, daz ist div miteuuare, diu chûske, diu kidult,
diu guôte, diu ensticheit unte andere tugendi desin keliche. Nv
sehen, mit uuelichemo flîzza uuir den gotis uuinkarten ûoben.
Adam uuart kescaffen, daz er uuari ûoberi des paradysi; do er do
firbrah daz gotis kebot, do uuart er dannen kistozzen in daz ellentuom
disere uuenicheite. Also biren uuir kisezzet, daz uuir sin ûobare
dere gotis e: uirruochelon uuir die, so uuerde uuir firstozzen
uone demo gotis riche also die iuden. Suer di sunta uuurchet, der
ziuueibet den gotis uuinkarte; der dir aua vuurchet daz gotis reth,
der ûobet inan wole, Vuir ne sculen niéth ûoben die irdisgen acchera
durh den uuerltlichen rihtuom, suntir durh den rihtuom des euuigen
lonis. Die .V. uuile in den dir dér huosherro ladote die uuerhliuti
in sinan uuinkarten, die pizeichinent die .V. uuerlti, die dir uore
Christis kiburte uuaren; áua die uuérhliute pizeichinent diê, die
dir der almahtige got in den uinf uuerlten ladite zi demo euuigen
lîbe. Daz uuas in dere eristen Adam unde sin kislahte, in dere
anderen Noe unde sin kislahte, in dere dritten Abraham unde sin
kislahte, in dere uierde Moyses unde sin kislahte. An demo ente dere
uinften uuerlte do gáreti sanctus Iohannes baptista den uuech demo
gotis sune durh die touffa unde durh die rivuua. In dere sehsti uuerlti,
in dere uuir nu piren, do chom selbo unser herro der filius dei
unte pichêrte mit sinera euangelisgen prediga unte mit sinen zeichenin
die heidinen, uona den dir iruuohs diu heiliga christinheit, diu
dir stet unzi an den enti dere uuerlte. Fore sinere kiburte so santi
er die patriarchas unde die prophetas; suîe uuole die kiuuorhte nah
sinere hulde, so ni phiegin si doh sa nieth des lonis, uuande si
alla zi helli fuoren. Ava nu zi gunste sîet sinere kiburti, do santi
er die boton; suîe die zi iungisti chomen, so inphiegen si doh
folliz lon, uuande in daz himelrih offen stuont, so si allererist
got uolgetin, so iz auh noh uns allen tuot, suenne uuir unsih
durhnahtlichen bicherin. Die .V. uuila, die da fore pizeichinent die
.V. uuerlti, die magen auh uuole kigagenmazzit uuerdun zi demo
menniskinen altere. Diu friû diu pizeichinet die chindiska, der
mittimorgen die iúgent, der mittetac die tugent, daz ist diu metilscaft
des menniskinen alteris, in demo er allerstarchist ist, also diu
sunna ze mittemo taga allerheizzist ist, so si chumet in die métilscaft
des himilis. So pizeichinet diu nona daz altir, der abant daz bibint
altir. Der in dera chindiska nieth pidenchan ni uuella sina heila,
der pidenche siâ doh in dera iugende odar in dere tugende odar in
demo altere oder doh ana demo enti. In suelichemo dero altere er sih
durhnahtlichen picherit, so si kiuuis uone gote ze inphahenne daz
selbi lon, daz ouch der inphahet, der uone sinere chindiska in gote
arbeitet unzi an sinen ente. Do ana demo abande do sah der hûsherro
dei liuti da muozic sten: do frâcti er si, umbe uuaz si allan tac
da mûozic stuonten. Do antuurten si, daz si niemen rihti zi demo
uuerchi. Do hiez er si gen in sinan uuinkarten umbe lon. Vuelihe
stent muozcic? niuuani die dir nieth durnahtlîchen ni uuvrchent alla
die gotis ê. Die huorare, die rovbare, die trinchare, die manslecken,
die luginare, die diûbe, die sint piheftit mit des tiufalis uuerhi,
uone danne ni uuerdunt sie nieth kinennit muozzige, sunter tode.
Die dir aue flizciclichen vurchent die gotis e unte elliu gûotiu uuerh,
die sint chomen in den uuinkarten dere heiligen christinheite unte
uvvrchent samit iri. Der huosherro gab in allen kilichiz lon unte
gab iz doh zerist den, die dir zi gunste chomen. Daz pimurmilotin
die eristen, die allen den tac arbeiten, daz er in nieht zi erist
ni gab, unte in auh nieth mera ni gab. Daz uuirdet uuole firnomen
uona den rehtin unte uona den guoten, die uore Christis kipurte allan
íri lib arbeiten nah demo himilriche unte si doh dara nieth ni
chomen, e der filius dei her in uuerlt chom unte in iz intlouh mit
sinera martyre. Die phenninge pizeichinent daz himelrih, die dir alla
uuare einis uuerdis, also daz himelrih ist. Den er daz gibet, die ni
durfen nieth murmilon, uuande da niheiner ist hereri noh smahere
demo anderemo. Manige sint dara kiladit durh die kiloube, unmanige
choment aue dara, uone div uuande sie nieth ni vwrchent, daz si
kiloubent, also diu heilige scrift chuit: Diu kiloube ist tot ane
dei uuerh.
Aus: Niemeyer Verlag Althochdeutsches Lesebuch
Handschrift: Wien Östereichische Nationalbibliothek Cod.2681 S.232rb-234va